Unternehmenswert: Konsequenzen aus der Subprime-Krise

Fundstelle: DB 1025-1032


In der jüngsten Vergangenheit kam es zu Übernahmen von Banken, die Anlass für eine Bewertung des jeweiligen Übernahmekandidaten waren. Dabei ist erst in den vergangenen Monaten die Bedeutung der Risiken der außerbilanziellen Geschäfte der Banken verstärkt in das Bewusstsein der Bewerter und Entscheider getreten. Dies lag daran, dass derartige Bankgeschäfte, die nicht oder nur unvollständig aus dem Jahresabschluss erkennbar sind, con den Bilanzadressaten als ausgeglichenen Positionen der aus Gründen der Schwierigkeit der Risikobeurteilung bei der Bewertung eher vernachlässigt wurden. Die außerbilanziellen Wert- bzw. Verlustpotenziale übersteigen bzw. überstiegen bei Banken teilweise die bilanziellen Wert- bzw. Verlustpotenziale um ein Vielfaches. Es fragt sich aber, ob ein Umdenken bei der Bewertung von Unternehmen mit spekulativem Geschäftszweig angezeigt ist, also zu fordern ist,


a) dass die Datengüte such Abbildung auch der wertattributierten, risikobehafteten Positionen vollständig und zum Marktpreis bewertet im Abschluss des Bewertungsobjekts verbessert wird,


b) dass andere als die bisher präferierten nutzen- und prognoseorientierten Verfahren zur Bewertung von Unternehmen mit spekulativem Geschäftszweig verwendet werden, und


c) dass eine erwiesene Unglaubwürdigkeit der Bewerter (also der betroffenen Rating-Agenturen, Sachverständigen, Gutachter und Berater) durch kompetitive Elemente marktgerecht sanktioniert wird (Marktausschluss).



Im Kern ist die Subprime-Krise nicht eine Liquiditäts- oder Solvenzkrise, sonder eine Vertrauenskrise, die auf mangelnde Transparenz der bewertungsrelevanten Jahresabschlussdaten von Banken, der Unzugänglichkeit der verwendeten Verfahren bei der Bewertung von Unternehmen mit spekulativen Geschäftszweig und der fehlenden marktgerechten Sanktionierung bei eintretender Unglaubwürdigkeit der bewertenden Person uns urteilenden Institutionen zurückzuführen ist.