Die Verringerung der Konzentration im PrŸfungsmarkt

Fundstelle: DB 2273-2277


Seit einigen Jahren wird auf EU-Ebene, in den Medien uns in der Wissenschaft eine Verringerung der Konzentration im Prüfungsmarkt thematisiert, da sie zum einen mitverantwortlich für die Verwerfungen auf den Finanzmärkten sein soll und zum anderen die Befürchtung besteht, dass ein Ausfall einer der großen Gesellschaften zu neuen Verwerfungen führen könnte. Darüber hinaus wird hochkonzentrierten Märkten mangelnder Wettbewerb mit der möglichen Folge überhöhter Preise unterstellt. Die EU-Kommission stellt daher in ihrem Grünbuch vom 13.10.2010 zur Diskussion. „Der Markt für Prüfungen börsenorientierter Gesellschaften wird im Großen und Ganzen von den sogenannten, Big Four-Prüfungsgesellschaften abgedeckt. Im Hinblick auf Einkünfte oder Vergütung macht der Gesamtmarktanteil der, Big Four bei börsenorientierten Gesellschaften in den meisten EU-Mitgliedstaaten mehr als 90% aus. Ein Eindringen in dieses oberste Segment des Audit-Marktes hat sich für viele im mittleren Segment angesiedelte Prüfungsgesellschaften als sehr schwierig erwiesen, obwohl sie ihre Arbeitsfähigkeit auf dem internationalen Audit-Markt unter Beweis gestellt haben. Zur Erreichung des Ziels einer Konzentrationsminderung gibt es, bisherige konzentrationsfördernde Aspekte herauszuarbeiten und nachfolgend Handlungsalternativen für eine Minderung aufzuzeigen.



Die Verringerung der Konzentration in einem markt ist ebenso diffizil wie heikel. Kein Unternehmen verliert gerne Marktanteile. Bereits die Zielsetzung stößt auf starke Widerstände bei den Betroffenen. Im sinne eines vordefinierten Zielerrechungsgrades wäre ehrgeizig eine Verringerung des Marktanteils der Big-4 im Marktsegment der kapitalmarktorientierten Unternehmen von derzeitig 93% auf maximal 40% binnen zehn Jahren anzustreben. Handlungsalternativen wirken konzentrationsmindernd, wenn in diesem Marktsegment die Zahl der bisher dominierenden Anbieter von Prüfungsleistungen verkleinert, die Zahl der künftig potenziellen Anbieter vergrößert, die Bedingungen für große WPG durch erhöhte Regulierung, Kostenbelastung und Kontrollen erschwert und die Bedingungen und Regulierungsdichte für kleine Einheiten verbessert werden; Handlungsalternativen wirken insbesondere dann konzentrationserhöhend, wenn berufsausübende Erschwernisse den kleinen Einheiten mit den Argumenten der „Wahrung der Einheit des Berufstands“ und „an audit is an audit“ aufgedrängt werden. Am effektivsten zur Erhöhung der Prüferwechselgeschwindigkeit, zur Stärkung des Wettbewerbs im Binnenmarkt uns zur Verminderung des systemischen Risikos ist die Einführung der externen Rotation, differenziert nach Größe (und ggf. Branche) der zu prüfenden Einheit einerseits bzw. der WPG andererseits sowie die ausschließliche Verfolgung von „Public Duty Goals“ bei Abschlussprüfungen und damit das Verbot der Erbringung von Nichtprüfungsleistungen. Die Hürden liegen in der zunehmenden Globalisierung des Prüfungsmarktes, im übermäßigen Beharrungsvermögen bei den Auftraggebern, im geschickten und abgestimmten Agieren der großen Einheiten uns in der Uneinigkeit der kleinen Einheiten. Diese Hürden gibt es zu überwinden.