Unternehmenswert: Gewichtung infolge Methodenpluralismus

Fundstelle: DB 719-725


Einen Königsweg gibt es bei der Unternehmensbewertung nicht. Unabhängig davon, wie viele oder welche Theorien, Methoden oder Verfahren präferiert werden, ist jeder Weg mit bestimmten Vor- und Nachteilen verbunden. Seit über 30 Jahren herrscht das Konzept des Zukunftserfolgswerts vor, welches mit dem letztlich unlösbaren Prognoseproblem sowie den inakzeptabel vielfältigen Ermessensspielräumen und damit verbundenen Manipulationsmöglichkeiten und Scheingenauigkeiten einhergeht.



Methodenpluralismus besagt, dass es keine Leittheorie (mehr) gibt, der sich alle anderen Methoden unterordnen. Die Nachteile für einen solchen Pluralismus bestehen in der Unübersichtlichkeit und im Gewichtungserfordernis wegen der Vielfalt der Methoden. Beim derzeit faktisch bestehenden Methodenmonismus gibt es eine Variantenvielfalt. Diese Variante ordnen sich aber letztlich dem Konzept des Zukunftserfolgswerts mit den bereits angesprochenen Problemen unter. Die empirisch hergeleitete und vom Gesetzgeber intendierte Methodenpluralität stellt ein wichtiges Kennzeichen einer modernen Unternehmensbewertung dar. Könnte nunmehr die Gewichtungsproblematik bei der Anwendung mehrerer Bewertungsmethoden gelöst werden, wäre eine wichtige Barriere beiseite geräumt, um dem pluralistischen Bewertungsansatz mehr Geltung zu verschaffen und um die durch Prognose und Manipulationsmöglichkeiten entstehenden Nachteile bei Unternehmensbewertungen deutlich zu verringern.




Der Gesetzgeber geht von Methodenvielfalt aus, §§ 34, 293e, 305, 327c AktG, § 12 UmwG, § 1376 BGB, §§ 11, 199 BewG; ebenso die International Valuation Standards, GN 6 Abschn. 5.14.1.3. Die Nachteile von Prognosen, Manipulationsmöglichkeiten und Scheingenauigkeiten im Rahmen der vielfach allein verwendeten Phasenmethode können verringert werden, wenn bei Unternehmensbewertungen ein methodenpluralistischer Ansatz gewählt wird. Die sich dann ergebende Gewichtungsproblematik infolge der Anwendung mehrerer Bewertungsmethoden kann dadurch gelöst werden, dass der Handlungsspielraum des Bewertungssachverständigen eingeengt wird. Dies kann in Anlehnung an die IVS durch die Forderung bewirkt werden, dass der Bewerter das Gewichtungsverhältnis im Gutachten eingehend zu beurteilen uns zu begründen hat.