Unternehmenswert: Prognose, Phasen und Probleme

Fundstelle: DStR 1198-1203

Die Rechtsprechung geht bei der Unternehmensbewertung zunehmend auf kritische Distanz zur Phasenmethode. Der Beitrag behandelt die einzelnen Problemfelder. Es ist fraglich, ob eine Bewertungsmethode, die auf Prognose von unsicheren Sachverhalten, Ereignissen und Zuständen beruht, zudem theoretisch nicht zutreffend fundiert ist und ferner den gesetzlich mehrfach normierten Grundsatz der Maßgeblichkeit der Verhältnisse zum Bewertungsstichtag verletzt, den Beweismittelanforderungen i. S. von § 287 Abs. 2 ZPO genügt.
Unisono wird von offizieller Seite der professionellen Unternehmensbewerter der „Grundsatz der Zukunftsbezogenheit“ bei der Bewertung von (Anteilen an ) Unternehmen propagiert, Expressis verbis wird der allein maßgebliche „Zukunftserfolgswert“ in dem für Wirtschaftsprüfer bindenden Standart IDW S1 (2008) in Rdn. 5 erwähnt.



Es gibt Bewertungsverfahren die theoretisch fundiert sind, in der Praxis weit verbreitet sind und auf Marktdaten in der zeitlichen Nähe des Bewertungsstichtags basieren. Deshalb ist fraglich, ob eine Bewertungsmethode, die auf ( mehr oder weniger vagen) Prognosen von höchst volatilen Sachverhalten wie künftige Zinsentwicklung, künftige Risikosituation, künftige Steuersysteme, künftige Wirtschats- und Konjunkturlagen, künftige Gesetzgebung, künftige Entwicklung, künftiges Konsumverhalten, künftige Managementleistungen, künftige Wettbewerberaktivitäten, künftige Ertragslage usw. beruht und theoretisch nicht fundiert ist, den Beweismittelanforderungen i. S. von § 287 Abs. 2 ZPO genügt.



Die international Valuation Standards (IVS) nennen drei Ansätze: den Market approach (Marktwertungsansatz, Vergleichsorientierung), den Income capitalisation approach (Ertragswertansatz, Nutzenorientierung). Werden bei einer Unternehmensbewertung mehrere unterschiedliche Verfahren verwendet, ergibt sich der Vorteil, eine Wertbandbreite innerhalb eines vorgegebenen Signifikanzniveaus angeben zu können, aber auch, um zu einem Punktwert zu gelangen, das Erfordernis der Gewichtung der einzelnen Verfahren. Dieses Problem ist lösbar, nicht lösbar ist das Prognoseproblem.