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Unternehmenswert: Die zuschlagsorientierten Bewertungsverfahren

- Vom Buchwert-Zuschlagsverfahren zur strategischen Unternehmensbewertung

Fundstelle: DB 1996, 1349 - 1358

Rechtsprechung, Gesetzgebung und Praxis vermeiden bei Unternehmensbewertungen seit langem die Festlegung auf ein bestimmtes Verfahren, stattdessen präferieren sie die Methodenvielfalt. Eine Analyse der Rechtsprechung macht dabei deutlich, dass für die Bewertung ganzer Unternehmen aus gesellschaftsrechtlichen und familienrechtlichen Anlässen kein Bewertungsverfahren Anspruch auf Alleingültigkeit haben kann.

Zuschlagsorientierte Verfahren sind mehrdimensionale Bewertungsverfahren, da die Verknüpfung der einzelnen, die Bewertung tragenden Elemente im Gegensatz zu den Verfahren mit Gewichtungen nicht multiplikativ, sondern additiv erfolgt. Hier steht die Idee im Vordergrund, dass alle Bewertungsverfahren fehlerbehaftet bzw. korrekturbedürftig sind. Die Verwendung zuschlagsorientierter Verfahren bedarf somit stets einer entsprechend theoretisch abgeleiteten und subjektiv nachvollziehbaren Begründung.

Etabliert ist das Buchwert-Zuschlagsverfahren: Beim Bewertungsanlass Kauf/Verkauf eines Unternehmens lassen sich aufgrund einer gesicherten Basis ohne anfängliche psychologische Barrieren die Höhe der stillen Reserven bzw. der versteckten Risiken leicht ermitteln und abschätzen.

Das Übergewinnverfahren ("Wiener Verfahren") ist wiederum besonders in Österreich etabliert.

Die Errechnung des Barwerts der Übergewinne steht und fällt mit dem zugrundeliegenden Kapitalisierungszins, der Freiräume für den Bewerter schafft. Die "Strategische Bewertung" ist dagegen ein Sammelbegriff und meist die Begründung für mittels konventioneller Verfahren nicht mehr nachvollziehbarer Unternehmenswerte.