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Unternehmenswert: Zur entscheidungstheoretischen Fundierung des Kölner Verfahrens

- Ein Plädoyer für flexible Methodengewichtung, Markt- und Zweckorientierung sowie strikte Stichtagsbezogenheit bei Unternehmensbewertungen

Fundstelle: DStR 1993, 1603 - 1611

Im Rahmen des Kölner Verfahrens ist die Klärung des Zielplanes eines Bewerters sowie eine flexible Auswahl und ggf. Gewichtung der relevanten Verfahren innerhalb des bestehenden Aktionsraumes, insb. eine Verknüpfung von Einzelwirtschaftsgüterbewertung und überschussorientierter Gesamtbewertung sowie die Ermittlung des Goodwills, unter Berücksichtigung des Sagerechtes, von Bedeutung.

Der Wert eines Unternehmens wird durch das Zielsystem sowie das jeweils zum Zeitpunkt der Bewertungsdurchführung vorliegende Entscheidungsfeld des Bewerters bestimmt. Bei entscheidungstheoretischer Fundierung von Unternehmenswerten oder -anteilen ist es daher notwendig, das Zielsystem des Bewerbers im Hinblick auf seine Sicherheits-, Höhen-, Zeit- und Artenpräferenz offenzulegen und zu begründen.

Innerhalb der Marktorientierung fließt auch die unterschiedliche Art von Abwicklungen von Unternehmenskäufen (Asset-deal, Share-deal) über eine entsprechende Gewichtung von Einzelwirtschaftsgüterbewertung (Asset-Wert) sowie Gesamtunternehmensbewertung, etwa das überschussorientierte DCF-Verfahren, in die Bewertung mit ein. Bei kleineren und mittleren Unternehmen kommen regelmäßig Einzelwirtschaftsgüter-Bewertungen (Asset-deal), bei Großunternehmern eher Gesamtbewertungen (Share-deal) zur Anwendung.

Durch die strikt auftraggeberbezogene Zweckorientierung anstelle einer wirkungs- und adressatenorientierten Ausrichtung der Erstellung eines Bewertungsgutachtens an Funktionen wird eine vergleichsweise höhere Akzeptanz bei den Auftraggebern von Sachverständigengutachten bewirkt. Es sind vier, streng einander ausschließende Arten von Gutachten zu unterscheiden: (1) externes Parteigutachten, (2) internes Parteigutachten, (3) Vermittlungsgutachten, (4) Gerichtsgutachten. Durch Marktorientierung wird die Privilegierung einer Partei, anders als bei der investitionsorientierten Ertragswertmethode, vermieden.