Unternehmenswert. Bewertungsmethoden in der Rechtsprechung

Fundstelle: CF 449-456

Der von vielen Autoren und Institutionen propagierten Auffassung, es sei einhellige Meinung, dass der Wert eines Unternehmens sich ais dem Barwert der mit dem Eigentum an dem Unternehmen verbundenen Nettozuflüsse an de9ie Anteileigner ermittelt und sich somit „allein aus seiner Ertragskraft“ – so IDW S1 (2008), Rdn. 4 – ableitet, wird weder in der Praxis, noch in der Gesetzgebung, in Rechtsprechung und in der Literatur ausnahmslos gefolgt. In der Praxis herrscht in Bezug auf das gesamte Ausland Methodenpluralismus vor – so ausdrücklich in den international Valuation Standards, GN 6 (Business Valuation). Dies hat zur Folge, dass bei Bewertungen durchweg mehrere Methoden Anwendungen finden, deren Ergebnisse dann zu einer finalen Wertermittlung gewichtet werden. In der Gesetzgebung herrscht eher Zurückhaltung vor. Die Rechtsprechung akzeptiert Methodenvielfalt, wobei die Tendenz besteht, einem beauftragten vereidigten Sachverständigen nach Möglichkeit zu folgen.



In Spruchverfahren sollten aus der Sicht der Aktionäre große WPG’s von vornherein als Gerichtsgutachter abgelehnt werden, insbesondere wenn eine andere große WPG das zu bewertende Unternehmen geprüft oder beraten hatte der als Verschmelzungsprüfer o.ä. tätig war, oder sich diese große WPG Hoffnung machen kann, später einen Auftrag der vorgenannten Art (z.B. Prüfungsauftrag, Beratungsauftrag) durch das Unternehmen zu erlangen. Von ihrem Geschäftsmodell her vertreten große WPG’s cum grano salis die Interessen der Unternehmen und nicht der Aktionäre. Die Unparteilichkeit der großen WPG’s, insbesondere der angelsächsisch geprägten audit firms, ist überdies im Hinblick auf die Vielzahl gemeinsamer Aktivitäten untereinander und wegen des erheblichen Akquisitionsdrucks stets gefährdet.



Die Rechtsprechung sollte sich zurückhalten, seinen Alleingeltungsanspruch an ein bestimmtes Verfahren für bestimmte Fallgruppen zu etablieren. Die Entwicklung in Theorie, Praxis und Rechtsprechung zur Bewertung von Unternehmen har sich in den letzten 30 Jahren in hohem maße weiterentwickelt, wobei nationale Alleingänge und damit ein Abkoppeln an Entwicklungen im Ausland verfehlt sind.