Unternehmenswert: Expected Utility Theory versus Similarity Theory

Fundstelle: DB 586-591

Ist der methodische Ansatz für eine Bewertungsdurchführung theoriegeleitet, bietet dieser weniger Angriffspunkte als seine nur auf Erfahrung gegründete Vorgehensweise. Ein theoriegeleitetes Vorgehen bei der Ermittlung von Unternehmenswerten bietet den Vorteil, dass eine bessere Prognose abgegeben werden kann, ob hierdurch der „wahre“ Unternehmenswert (Marktwert) beschrieben, ermittelt und erklärt werden kann uns bietet den weiteren Vorteil, dass Handlungsempfehlungen auf der Grundlage dieser Theorie für Fälle gegeben werden können, die komplex, noch nicht geklärt oder gar strittig sind.

Die zur Diskussion gestellten konkurrierenden theoretischen Bezugsrahmen zur Beurteilung von methodischen Ansätzen in der Unternehmensbewertung sind einerseits die Expected Utility Theory (EUT) und andererseits die Similarity Theory (ST). Hieraus ergeben sich unterschiedliche Bewertungskalküle, die zu enormen Wertabweichungen führen können, was wiederum unmittelbar auf die Vermögensdisposition eines Individuums sich auswirkt und letztlich auch volkswirtschaftlich betrachtet zur Fehlallokation von Kapital führt.

Dies führt generell zum Verwerfen de Kapitalwertkalküls in der Unternehmensbewertung und damit des Investitionsmodells (charakterisiert durch Rationalitätsprinzip, Expected Utility Theory, Zukunftsorientierung, Phasenbewertung, Ertragsstromrechnung, Methodenmonismus), das den tradierten Bewertungsmethoden Zukunftserfolgswertkonzept) bzw. dem IDW S 1 zugrunde lie4gt und zur Präferierung des Substitutionsmodells (charakterisiert durch eingeschränkte Rationalität, strenges Stichtagsprinzip, Similarity Theory, Multiples, Methodenpluralismus), was wiederum im Hinblick auf den speziellen Fall nutzenorientierter Verfahren auf der Basis eines Ähnlichkeitsvergleichs zwischen Unternehmen uns Staatsanleihe im Ergebnis wieder zur Formel (W = E / i) führt, die auch in zutreffender Weise vielen gerichtlichen Entscheidungen zugrunde liegt. Auf einen kurzen Nenner gebracht: für Zwecke der Unternehmensbewertung sind Multiples theoretisch fundiert, diskontierte Zukunftsnutzenbeiträge sind es nicht.