Unternehmenswert: RechtsformabhŠngige Bewertung?

Fundstelle: FB 508-513

Frage: Hängt der Marktwert eines Mehrfamilienhauses davon ab, ob diese Immobilie einer natürlichen Person gehört oder sich im Betriebsvermögen einer Personengesellschaft oder gar einer Kapitalgesellschaft befindet? Die Verneinung wirft die Frage auf, warum der innerhalb einer Bandbreite liegende marktwert eines Unternehmens von der Steuersituation aufgrund der Rechtsform abhängen soll, mit der das Unternehmen zum Bewertungsstichtag betrieben wird. Nicht zuletzt infolge der drastischen und ausufernden Zunahme der Komplexität einer rechtsformabhängigen Unternehmensbewertung nehmen die Akzeptanzwiderstände der Bewertungsadressaten und damit die Verwendung anderer Bewertungsmethoden – speziell der Market Multiples – zu.



Derzeit hat sich die Unternehmensbewertungslehre in Deutaschland infolge des monokriteriellen Bewertungsansatzes der Nachsteuer-Rechnung von internationalen Entwicklungen abgekoppelt. Es wäre opportun, wenn sich die Rechtsprechung zu einem klaren Votum gegen den Einbezug der persönlichen (künftigen) Einkommensteuersituationen des Eigentümers, der Gesellschafter oder der potentiellen Käufer uns damit im Rahmen der nutzenorientierten Bewertungsmethoden zugunsten der rein gesellschafts- bzw. unternehmensbezogenen Vor-Steuer-Rechnung, wie vom deutschen Gesetzgeber normiert und international fest etabliert, entschließen könnte. Es erscheint zweifelhaft, ob sich Unternehmenswerte allein dadurch ändern, dass es im Ertragssteuerrecht einen generellen Systemwechsel gibt oder sich auch nut die Höhe der Steuersätze ändert. Es macht zudem keinen Sinn, wenn das Steuerrecht den Weg in Richtung Rechtsformneutralität uns die Unternehmensbewertung den umgekehrten Weg geht. Die Akzeptanz einer Nach-Steuer-Rechnung ist bei den Bewertungsadressaten, insbesondere im internationalen Bereich, nicht verständlich und nicht theoriegeleitet.